Meinen Vater, den ich nie kannte

So, dann will ich meine kurze Geschichte erzählen über mich und meinem Vater, den ich nie kennenlernte. Meine Mutter ist eine gute Mutter. Sie hat mich immer beschützt und zum Beispiel wie eine Löwin dafür gekämpft, dass ich auf das Gymnasium durfte entgegen den Willen einer Grundschullehrerin, die mich auf dem Kieker hatte.

Aber das sie verhinderte, dass ich meinen Vater kennenlernen konnte, war ein schwerer Fehler. Sie war auf die Propaganda reingefallen, dass Kinder keinen Vater bräuchten – bis heute habe ich mit den Folgen zu kämpfen in Form psychischer Schäden, auf die ich nicht näher eingehe.

Für mich war mein Vater immer ein Arschloch, so eben, wie es mir meine Mutter erzählte. Erst in der Jugend begann ich das zu hinterfragen, zu spät aber, da war er schon tot. Ich hinterfragte, ob das alles, was mir meine Mutter über ihn erzählt hatte, auch die Wahrheit war. Denn sie war in diesen Geschichten immer der Engel und er der Teufel. So soll er sie geschlagen haben, sieht es aber bis heute als nicht schlimm an, dass sie mich geschlagen hatte – und das war nicht harmlos. Auch hat mir Jahre später eine Tante erzählt, dass es anders gewesen war: Sie hatte ihn geschlagen.

Meine Mutter war eine leidenschaftliche Fotografin. Aber Fotos von meinem Vater kannte ich keine. Sie hatte alle entsorgt, so wie sie ihn entsorgt hatte. Mütter gehen sehr umsichtig vor, wenn sie ihre Kinder entfremden. Einmal aber stieß ich doch auf ein letztes verbliebenes Bild, dass einen Mann mit Vollbart und einem Kleinkind auf dem Arm zeigte. Er war mir sofort sympathisch. Dieses Bild verschwand dann aber auch. Ich weiß auch aus anderen Quellen, dass er sehr unter der Trennung gelitten hat.

Ich bin betrübt darüber, dass ich meinen Vater nicht mehr kennenlernen kann. Damit bin ich aber die Ausnahme. Entfremdete Kinder behalten die Abneigung gegen den entfremdeten Elternteil in der Regel bei – die brutale Gehirnwäsche, der sich ein Kind nicht entziehen kann, wirkt ein Leben lang.

Comments (4)

Das sollten alle Eltern lesen, die entfremden!
Zu deinem letzten Satz: Es kommt auf den Leidensdruck an. Ist er hoch genug, machen viele dieser einst entfremdeten Kinder als Erwachsene eine Psychotherapie. Diese kann helfen, die Abneigung als Teil des Problems zu sehen (Abneigung gegen den Vater = Abneigung gegen einen Teil der eigenen Identität) und sie als Teil der Lösung zu nutzen: die indoktrinierte Haltung (Abneigung) zu hinterfragen, zu relativieren und die Einstellung neu zu justieren.
Viele entscheiden sich anschließend dazu, den Kontakt zu dem abgelehnten Elternteil zu suchen.

Danke fürs teilen Deiner Geschichte… 🖤

Ich bin sehr verzweifelt mein Sohn 7 will zu mir was er auch schon öfter sagte, er ist bei meiner narzistischen Schwägerin die meine mittlere Tochter damals 13 aufhetzte lügen zu erzählen sonst nimmt sie sie nicht. Meine 16 jährige Tochter will auch heim, aber ihren Bruder nicht alleine lassen mein sohn ist sehr empathisch und liebevoll gerade zu schwächeren mit meiner Schwägerin und bruder will er nicht umarmen mit mir schon bevor er weg kam war er so gläubig von sich aus und hat gerne mit mir und seiner ältesten Schwester gesprochen seit er bei meiner Schwägerin ist redet er weniger und beisst sich teilweise die ärmel und erzählt nicht mehr soviel. Meine Schwägerin war als ich Jugendlich war Gewalttätig zu mir sie ist älter und wiegt mehr. Und seit die alle meine kinder hat will sie keinen Kontakt mehr und versucht auch dass mein Sohn nur selten zu mir kann und in seine alte Stadt selbst zu seinem früheren Freund. Ich bin sehr verzweifelt ich habe einen sehr guten Anwalt gefunden aber kein Geld leider.

Moin Sonja,

solltest du nicht genügend finanzielle Mittel aufbringen können, berufe dich auf das Armenrecht.
Das müsste dir dein Anwalt ggf. auch anbieten, bzw. du lässt dich darüber aufklären.

Ich wünsche dir von Herzen alles gute für eure Zukunft!

Liebe Grüße
Tino

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