Thema der Woche “Neue Regionale” Tafel und Speisekammer

Speisekammer in Salzkotten ein Ort an denen Träume und Hoffnungen für altes Brot anstehen.

Speisekammer Salzkotten

Tafeln in der Kritik und wie es anders laufen könnte!

Die NeueRegionale schrieb in Ihrer Ausgabe vom 04.03.2018 über die Geseker Tafel. Sie titelte mit der reißerischen Überschrift: “Großer Teil der Tafel-Kunden sind Ausländer”, was natürlich schon wieder ein gefundenes Fresschen für die Mutti darstellte.

Interviewt wurde der Vater einer siebenköpfigen Familie, der selbst regelmäßig die Tafel aufsucht. Begründet ist sein Warnehmen dieser Möglichkeit, auf der hohen Kinderzahl in seinem Haushalt. Generell ist er zwar der Auffassung, dass ein Großteil der Tafel-Kunden Ausländer sind, aber auch Diese ein Recht haben, diese Einrichtung aufzusuchen. Ausschlaggebend ist eben die Tatsache der Hilfebedürftigkeit. Darüber hinaus, bestätigt er das Nummernprinzip der Geseker Tafel und bekräftigt die Auffassung, dass dadurch weniger Gerangel und kleinere Warteschlangen entstanden wären.
Neben dem Interview bezieht sich der Artikel auch auf Aussagen des Tafel-Personals, welches allerdings eher von Sprachbarrieren berichtet.
In meinen Augen ist dieser Artikel jedoch nichts weiter, als ein kleiner Tropfen auf einem heißen Stein. Ich würde sogar soweit gehen zu hinterfragen, ob hier nicht einfach versucht wird Asylanten positiver hervor zu heben. Alleine die Aussage, dass die Deutschen den Tafeln fernbleiben würden, weil so viele Asylanten da sind, heizt doch eingeschworenen AfD-lern richtig ein.

Prägnant auf den Punkt gebracht: Die NR hat hier nur eine Seite der Medaille eröffnet und dabei aber ganz vergessen, dass eine zweite Seite besteht. Wer ist denn Schuld an den Missständen der Tafeln? Und wer ist überhaupt dafür verantwortlich, das solche Institutionen existieren müssen?

Im weiteren Verlauf werde ich euch meine Sicht der Dinge darlegen und bitte Anmerkungen, Kommentare und eventuell aufkommende Meinungen, in den Kommentaren oder via PN über Facebook oder Intagram direkt an mich zu richten.
Meine Sicht stütze ich ausschließlich mit persönlichen Erfahrungen bei der Salzkottener-Speisekammer, sowie meinen allgemeinen Eindruck über die Debatte der Essener-Tafeln.
Generell ist es eher traurig, dass es notwendig ist in unserem Land überhaupt Einrichtungen wie die Tafel unterhalten zu müssen. Dies liegt aber leider an den zum Teil sehr realitätsfernen Politikern, die anderen Ländern einen Sparkurs vorschreiben, aber mit der eigenen Politik im eigenen Land ziemlich versagen.

Nur mal so daher gesagt:
Willkommen liebe Politik, die Essener Tafel und auch die Salzkottener Speisekammer sind in der Realität und nicht im Wunderland bei Alice!

Egal was man nimmt, in Essen ist es die Tafel bei uns in Salzkotten ist es eine Caritative Speisekammer, die die Menschen am Existenzminimum versorgen.
Wir selbst gehen auch zur Speisekammer und schämen uns nicht dafür. Leider gehen viel zu Viele, die Anspruch auf diese Form der Versorgung haben, aus falscher Scham nicht hin. Natürlich ist es nicht schön auf solche Hilfe angewiesen zu sein, aber oft lässt es sich gar nicht ändern.
In dem Artikel der NR steht aber ein Satz, bei dem mir alles hoch kommt.

“Die Flüchtlinge sind freundlich und dankbar”, bitte das klingt ja gerade so, als würden die Deutschen nur rum motzen, keinen Finger rühren und keine Dankbarkeit kennen?!
Ich kann da nur eins sagen, bei uns in Salzkotten gibt es Solche und Solche und das ist unabhängig davon welcher Abstammung sie sind.
Dankbarkeit und Freundlichkeit hängen nämlich vorrangig mit dem Verhalten der Ehrenämtler zusammen.

Kinderarmut in Salzkotten

Ohne Moos, nichts los!

Wir gehen selbst kaum noch um Lebensmittel ab zu holen, da einfach zu viele Menschen auf zu wenig Lebensmittel kommen. In Deutschland herrscht eine massive Lebensmittel Verknappung, basierend auf der Lebensmittel Verschwendung… Warum geben Läden Lebensmittel ab, die Schimmeln? Die über dem Verfallsdatum sind? Warum kann man diese Lebensmittel nicht eine Woche eher an Bedürftige abgeben? Wenn die Läden überhaupt etwas abgeben versteht sich, denn viele geben nicht einmal Sachen ab, die kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit stehen. Stattdessen werfen diese Läden lieber Obst und Gemüse in den Abfall, nur weil es nicht mehr schön aussieht und demnach vom Kunden nicht bevorzugt wird. Wir schmeißen jedes Jahr ca. 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Hier ein interessanter Artikel dazu (So viele Lebensmittel werfen wir wirklich weg)

Liebe Politik, bitte beugt dieser Verschwendung vor, in dem Ihr ein System einführt, dass die Läden dazu verpflichtet solche Lebensmittel an entsprechende Einrichtungen abzugeben und dafür bestraft, wenn sie verdorbene- oder abgelaufene Waren abgeben.
Die Speisekammer in Salzkotten gibt auch solche Lebensmittel raus, einfach um überhaupt etwas abgeben zu können. Und die Müllabfuhr bezahlen dann letztlich wieder Diejenigen, die eh schon nichts haben…
Bitte, wo ist hier die Logik und wo der Sinn von Gerechtigkeit geblieben?

 

Unsere Speisekammer muss über 300 Haushalte mit Lebensmitteln versorgen und arbeitet diese Haushalte lediglich Freitags in der Zeit von 9:30 – 12:00 Uhr ab. Ist das fair? Ist es fair, dass sobald zu viele Neuaufnahmen stattgefunden haben, die Zeiten neu geordnet werden? Ist es fair, dass man in einem System, welches auf der Rotation basiert, plötzlich raus fällt?
Viele mit denen ich gesprochen haben gehen ab einer gewissen Uhrzeit einfach nicht mehr zu Tafel und leben lieber sehr sparsam. Teilweise ernähren sich diese Personen dann nur noch von Brot und Leitungswasser.
Für uns persönlich lohnt sich der Gang zur Tafel schon nicht mehr ab 11:00 Uhr.
Doch was die Mutti besonders ärgert:
Warum fährt die Tafel aus Paderborn Standorte in Salzkotten an und nimmt der hiesigen Kammer so gesehen die Lebensmittel weg?
Antwort: Großkonzerne wie Lidl haben einen Vertrag mit der Tafel, wodurch diese Vorrangig behandelt wird!
Findet Ihr das fair?
Ich jedenfalls nicht und auch hier kann man wieder die Politik als Sündenbock hinstellen. Und das Problem mit der Verschwendung und Verknappung von Lebensmitteln herrscht nicht erst seid der Flüchtlingskriese 2015 vor.

Und wer ermöglicht solch verschwenderische Politik? Leider tun dies ALLE. Vor allem aber die Menschen, die sich Ehrenamtlich engagieren. In unserer Speisekammer stehen nur Ehrenamtliche, vorrangig Rentner. Manchmal kommt sogar eine Dame mit Tierfutter vorbei, welches sie den bedürftigen Tierbesitzern gibt (gekauft von Ihrer Rente). Wenn es also Leute gibt, die sogar unendgeldlich Hilfe leisten, warum sollte die Politik etwas ändern?
Ich will damit nicht dazu aufrufen, dass niemand mehr Ehrenamtlich tätig sein soll, bei Gott nicht, aber es wird vom Staat schamlos ausgenutzt.

In diesem Punkt ist der Staat endlich mal dazu verpflichtet, die Armut zu stoppen! Wie kann es denn sein, dass junge Leute vom Jobcenter in erwerbsminderungs Rente geschoben werden, nur weil sie so in der Mühle sitzen, dass sie keinen Job bekommen?
Wie kann es sein, dass jungen Leuten die Zukunft verbaut wird, weil die Mühlen in Deutschland langsamer mahlen, als manche Rentner denken.
Angeblich ist Deutschland doch so ein reiches Land, warum ist es dann notwendig solche Einrichtungen überhaupt zu betreiben? Warum ist es nicht mehr möglich eine einzelne Person mit einer Teilzeitstelle ohne Aufstockung durch das Jobcenter zu versorgen?

Hart, aber Fair! #IronieAus

Hart, aber Fair! #IronieAus

Ich frage euch, wo ist der Mittelstand geblieben?
Die Antwort will nur keiner wissen, denn um dem Mittelstand angehören zu können, muss man entweder ein Genie oder Größenwahnsinnig sein…
Ich erinnere mich noch wage daran, dass es einen Politiker gab, der vor über einem Jahr ohne Anmeldung in die Speisekammer gekommen ist.
Er wollte lediglich mal direkt vor Ort sehen, wie so eine Essensausgabe stattfindet und mit ein paar Anwesenden sprechen, doch als Antwort bekam er lediglich den Verweis auf eine vorab Ankündigung. Wenn er also noch einmal wieder käme und sich vorher einen Termin geholt hätte, dann könne er auch mit den Leuten sprechen und sich Erfahrungsberichte geben lassen.

Ich sage euch ganz offiziell, wie sich die meisten Kunden bei den Tafeln fühlen, nämlich Gesellschaftlich ausgeschlossen, entsorgt, labil, deprimiert und teilweise sogar depressiv. Wie würdet ihr euch fühlen, wenn ihr auf Grund eines Schicksalsschlages plötzlich in ALG2 rutschen würdet? Es niemanden interessiert, wie ihr vorher gelebt habt? Wie es euch vorher ging? Warum ihr Hartz4 bezieht?
Das kann ich euch versprechen… Es interessiert keinen, der nicht selbst in der Situation gesteckt hat.
Die wenigsten freuen sich heute noch, wenn sie für wenig Geld einen Laib Brot in Händen halten, diesen zuhause einfrieren können und den ganzen Monat Brot im Haus haben. Die wenigsten schaffen es heute noch, mit einer Vollzeitstelle über die Runden zu kommen, und die Meisten dieser Vollzeitkräfte gehen nicht einmal zum Jobcenter. Denn auch wenn viele es nicht zugeben wollen, in den meisten Deutschen steckt noch der Stolz der Alten. Der Stolz, der es ihnen nicht ermöglicht ihr Recht einzufordern.

Mein Fazit zu dem gesamten Thema?
Wir gehen auch weiterhin zur Speisekammer, denn wir sind verdammt dankbar, freundlich und hilfsbereit. Genauso wie ich dort auch mit jedem Kunden gut auskomme. Denn wir sind alle nur Menschen, egal welche Hautfarbe wir haben oder welche Sprache wir sprechen. Egal in welcher Kultur sie Leben, es sind genauso MENSCHEN!

Hoffentlich ändert sich an der Gegenwärtigen Politik langfristig etwas.

Hoffentlich ändert sich an der gegenwärtigen Politik langfristig etwas.

 

Nur sollte niemand die Essener Tafel in die Kritik stellen, nur weil Diese jetzt eine Reißleine gezogen hat. Wie hätte sie denn dem Ansturm weiterhin gerecht werden sollen, wenn nicht mit einem Aufnahmestopp für Flüchtlinge? Klar sie hätten einen generellen Aufnahmestopp ausrufen können, aber dann wären noch mehr Kritiken laut geworden. Und man darf dabei auch nicht vergessen, dass die bereits angemeldeten Flüchtlinge und Ausländer weiterhin ihre Lebensmittel abholen können.

Versagt haben in meinen Augen Jene, die nicht zur Verbesserung der gesamt Situation sorgen sondern das Wischi Waschi aus der Polit-Ebene verzapfen. Von Denen muss wohl niemand lange auf sein Essen oder sein Geld warten. Sich den Schikanen eines Jobcenters aussetzen, oder sich gar als Bittsteller fühlen, so wie Jene, die Tag ein Tag aus darum kämpfen irgendwie wieder Fuß zu fassen.

Liebe Grüße
Mutti

editet by: mama_mades

Eine ganz neue Doku zu dem Thema:

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