Zum Gespräch mit Padermama über ihre Fernbeziehung

 

Padermama ist eine Mamabloggerin aus dem Kreis Paderborn die aus ihrem kunterbunten Familiendasein berichtet. Sie postet ebenfalls fleißig auf Instagram.

Wie heißt du und woher kommst du?

Ich bin Sonja und komme gebürtig aus Paderborn.

Wo habt ihr euch kennengelernt, war es in einem klassischen Chat oder auf einer Dating Plattform und wer hat den ersten Schritt gewagt?

Stefan und ich haben uns auf einer Online-Partnerbörse kennengelernt. Es war purer Zufall! Stefan wollte längst gekündigt haben und hat nochmal so eine 2-Wochen-kostenlos-Angebot mitgemacht, und ich hatte ein einmonatiges, günstiges Abo.

Nachdem Stefan mich dann schon einige Zeit beobachtet hatte, hat er mich angeschrieben.

Was hat dich an deiner anfänglichen Bekanntschaft gereizt das du mit ihm weiter Kontakt haben wolltest?

Ich fand ihn niedlich. Da war ein Bild dabei mit Augenbrauenpiercing (das er eigentlich schon nicht mehr hatte), aber da fand ich ihn total attraktiv. Und dann war da alles, was er so geschrieben hat – ehrlich, authentisch, von der Seele weg. Irgendwie habe ich in seinen Worten gespürt, dass da ein ganz besonderer Mann mir seine Seele und sein Herz hinhält. Ich halte sie noch immer :).

Erinnerst du dich noch an eure erste Begegnung, was ist genau passiert?

Ja, den Moment werde ich nie vergessen. Es war der 04.11., der Geburtstag meines Vaters, und genau 2 Jahre bevor unsere Tochter geboren wurde. Wir hatten uns zum Spaziergang verabredet. Stefan kam aus Braunschweig und wollte nach Köln. Auf dem Weg hat er in Paderborn angehalten, wo ich das Wochenende verbracht habe.

Ich hatte mir den Hund meiner Mutter ausgeliehen, einen Schäferhund-Husky-Mischling, nur so zur Sicherheit. Man soll ja vorsichtig sein mit Internetbekanntschaften.

Und dann stand er da und lächelte, und ich hab ihn gleich in den Arm genommen.

Der Tag wird zur Nacht, schließlich möchte man Abends noch ein wenig mit seinem Geliebten tratschen. Wie war das bei euch beiden?

Als wir uns kennenlernten, lebte ich in Koblenz, er in Mannheim. Wir haben viel telefoniert. Es ging ewig so, und niemand wollte zuerst auflegen. Ich hab immer gewartet. Beim dritten oder vierten Anlauf hat dann einer aufgelegt. Es war hart.

Ich arbeitete damals auch oft samstags, das war dann doppelt hart, weil die Wochenenden zu kurz waren. Das war so hart!

Wann habt ihr euch die Liebe gestanden?

Wir hatten schon mehrfach telefoniert und uns einmal getroffen. Ich hatte schon vorher jemand über diese Plattform getroffen, aber da war der Funke nicht übergesprungen. Bei Stefan schon, und zwar auf beiden Seiten. Ein Wochenende nach unserem Treffen – wir haben es bis dahin kaum ausgehalten – standen wir uns endlich wieder gegenüber. Ich habe ihn geküsst – er war so schüchtern damals.

Habt ihr ein gemeinsames Liebslingslied, welches euch miteinander verbindet?

Hm, es gibt viele Songs, die wir beide mögen und seither als „unsere“ entdeckt haben. Und es gibt ein paar Alben, die wir jetzt doppelt haben, z.B. „No need to argue“ von den Cranberries. Oder „Stoosh“ von Skunk Anansie und „Toxicity“ von System of a Down.

Wie viele Kilometer trenn(t)en euch voneinander und was war der erste Gedanke als du erfahren hast das ihr so weit voneinander wohnt?

Damals waren es 167km. Ich fand, das ging noch! Er hätte auch viel weiter weg wohnen können.

Doch obwohl unsere Liebe uns auch bald zusammen gebracht hat und wir dann irgendwann eine gemeinsame Wohnung im Rhein-Main-Gebiet hatten, waren wir immer getrennt: Ich habe damals nach einem Burn-Out meinen Job gekündigt und mich an der Uni Frankfurt und mit einem Praktikum in der Online-Redaktion vom Flughafen Fraport neu orientiert; Stefan hat als Bauingenieur eine Baustelle in Stockholm bekommen.

So pendelte er dann von Frankfurt nach Stockholm. Ab und zu habe ich ihn dort besucht – durch mein Praktikum am Flughafen war das irgendwie wie Taxifahren lach. Ich war ja eh immer am Flughafen. Am Wochenende konnte ich vom Büro aufs Rollfeld gucken und seinen Flieger landen sehen. Dann bin ich die drölfzigtausend Rolltreppen runter und hab ihn abgeholt. Parken durfte ich ja kostenlos im Mitarbeiterparkhaus. Das war alles schon sehr praktisch.

 

Da war ich auch schon mit unserem ersten Kind schwanger. Wir sind nach dieser Stockholm-Baustelle dann nach Paderborn gezogen, d.h. ich und unsere Tochter. Stefan hat sich nach Hamburg versetzen lassen, wo seine Mutter auch lebt. Unsere Kleine und ich sollten nachkommen, sobald wir dort eine Wohnung oder Haus hatten.

Das haben wir dann auch so gemacht – wir hatten irgendwann ein schönes Haus mit Garten zur Miete. Unfassbar teuer alles. Ich war sogar schon mit Nr. 2 schwanger. Und Stefan bekam eine Baustelle in Berlin. Sein Büro war also in Hamburg, und er fuhr Montag früh um 5h los und kam Freitag abends um 22h total gestresst nach Hause.

Er hatte nicht den Flughafen Berlin als Baustelle (ein Glück), aber es war ähnlich stressig für ihn als Bauleiter. Er hatte nie Feierabend. Die erste Elternzeit hat er mit dem Laptop neben dem Fläschchen dagesessen und den Rest des Tages telefoniert.

Das wurde erst besser, als er seinen Arbeitgeber wechselte und fest in Hamburg wohnte. Wir beide mit zwei Kindern – irgendwann hab ich auch wieder gearbeitet.

Aber das Geld reichte hinten und vorne nicht, und Zeit für uns oder für den Haushalt hatten wir nicht, nur ein größer werdendes Minus auf dem Konto. Die Kindergartengebühren und die Fixkosten betrugen zusammen über 2.000€ – das war nicht mehr finanzierbar. Eigentlich wollten wir ein drittes Kind! Und mein Job war die absolute Hölle. Die Kolleginnen waren toll, aber alle hatten Angst vor den Chefs – es herrschte ein Klima von Angst. Ich bin mit Angst zur Arbeit gefahren und mit Angst nach Hause. Das war einfach nur krank. Da deutete sich der zweite Burn-Out an.

 

Ich bin dann schneller als eigentlich geplant mit dem dritten Kind schwanger geworden. So direkt nach der Probezeit. Mein Chef hat mir die Geschichte des Unfalls abgekauft, die Kolleginnen nicht alle. Naja.

Die Zeit war ziemlich hart – Stefan hat viel gearbeitet, und ich hatte zwei bockige Kleinkinder und die Schwangerschaft. Zu Weihnachten – ich war da in der 28sten Woche oder so – war er vier Wochen auf einem Schiff um da irgendwelche Bohrungen und Messungen für Windkraftfundamente zu betreuen. Das gab natürlich gut Geld, aber ich war in der Zeit allein, und ich bekam direkt im neuen Jahr vorzeitige Wehen.

Meine Frauenärztin hat mich arbeitsunfähig geschrieben, und das war eine Befreiung.

In uns war bereits der Plan gewachsen nach Paderborn zu ziehen, allein weil es hier deutlich günstiger ist zu leben. Darüber habe ich auch mal gebloggt und das ausgerechnet, was wir da gespart haben!

Wer fährt zu wem, bist du zu ihm oder er zu dir?

Unser Lebensmittelpunkt ist hier, in Paderborn. Wir kaufen das Haus meiner Mutter, wir haben also auch eine bezahlbare Immobilie gefunden, die wir uns gerade zum Traumhaus umbauen.

Und unser viertes Kind kam auch hier in Paderborn zur Welt.

Thema Reisekosten hier wird es unbequem, aber wie hat es bei euch ausgehen. Teilen oder ganz auf die eigene Kappe nehmen?

Wir sind ja inzwischen verheiratet und haben ein Gemeinschaftskonto. Die Reisekosten tragen wir also beide. Stefan kann sie gut bei der Steuer angeben. Das gehört einfach dazu.

Stefan fährt viel mit Mitfahrgelegenheit oder nimmt andere mit, das spart außerdem viel Geld. Es gibt sogar eine Whatsapp-Gruppe von Mitfahrern nur für die Strecke HH-PB, weil es echt viele gibt, die so pendeln.

Welche Zukunftspläne habt ihr zusammen geschmiedet, welche davon umgesetzt?

Wir wollten Kinder, von Anfang an. Und wir wollten reisen. Ich hatte bereits eine Australienreise gebucht, als wir uns kennenlernten. Ich wollte drei Wochen allein mit Backpack nach Down Under. Stefan hat sich einen Flug gebucht und ist mitgekommen.

Ich bin damals über Asien geflogen, er uber die USA. Gemeinsam haben wir einmal die Welt umarmt :).

Er musste sich damals Geld von seinem Vater für die Reise leihen, was er echt nicht gern getan hat. Aber sein Vater sagte später einmal lächelnd, dass er ihm irgendwie angemerkt hat, dass ich wohl DIE EINE sein würde.

Außer dieser Reise sind wir gemeinsam in Marokko zum Surfen geflogen und dann später nach Frankreich. Mit unseren beiden Kindern (damals 3 und 1) sind wir noch mit unserem T4 bis nach Portugal zum Surfen gefahren, insgesamt 6 Wochen Road Trip.

Ich denke, wir haben also alles geschafft, was wir wollten 🙂

Wie denkst, du heute über deine Fernbeziehung hat die Liebe auf Distanz eine Chance?

Immer!

Hast du 3 gute Zutaten, die du uns mit auf dem Weg geben möchtest?

Man lernt sich in den besten und in den schlechtesten Zeiten kennen, das ist in jeder Beziehung so. Reden und Verzeihen, den anderen auch mal in Ruhe lassen. Und zuhören.

Außerdem – und der Rat gilt jedem Paar: Seid echt, seid bei euch selbst. Verrennt euch nicht in Traumvorstellungen oder perfekte Ideen. Nehmt euren Partner an die Hand und baut euch euer Leben. Je einfacher, desto glücklicher.

Eine Fernbeziehung stellt die Liebe auf die Probe, gab es Momente,
in denen du am liebsten alles hingeworfen hättest?

Diese Liebe wollte ich noch nie aufgeben. Ja, ich wollte alles hinwerfen – oft. Und dann mit Stefan und den Kindern in unserem Bulli irgendwoanders hinfahren.

Was hat euch zusammen gehalten in der Zeit, wo ihr getrennt euren Alltag bestritten habt?
Was möchtest du anderen mitteilen die sich für diese Art von Beziehung entschieden haben?

Respekt und Liebe. Wir haben uns gegenseitig oft wieder auf die Füße gestellt. Wir sorgen füreinander, helfen uns, sind beste Freunde. Ja, wir streiten auch mal, und auch mal laut. Aber wir achten uns auch sehr und haben bisher immer wieder den Weg zueinander gefunden.

Danke für deine Zeit.

Team Mutti wünscht dir und deinem Partner alles Gute für die Zukunft!

 


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Comments (1)

Interessanter Beitrag! Weiter so!

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